Mühl­hau­sen lebt

Mühl­hau­sen ist mei­ne Hei­mat­stadt und für mich ist sie auch die schöns­te Stadt. 

Nach der Wen­de sind sehr vie­le Arbeits­plät­ze ver­lo­ren­ge­gan­ge­ne, das ist wahr. Und das ist umso schlim­mer, als gera­de Frau­en­ar­beits­plät­ze betrof­fen waren. Es sind aber auch Arbeits­plät­ze ent­stan­den. Wir haben sehr gut auf­ge­stell­te mit­tel­stän­di­sche Fir­men, wir habe Kran­ken­häu­ser, wir haben noch immer tra­di­tio­nel­le Hand­werks­be­trie­be, wir haben die Kreis­ver­wal­tung und die Stadt­ver­wal­tung uvm.

Den­noch ver­lie­ren wir in unse­rem Stadt­zen­trum Geschäf­te. Das liegt nicht nur an Coro­na. Die Men­schen haben nicht genü­gend Geld und sie geben es lei­der auch da aus, wo es unse­rer Stadt nicht zugu­te kommt. Ich mei­ne damit die Online-Händ­ler, die natür­lich nicht in Mühl­hau­sen ansäs­sig sind.

Ande­rer­seits gibt es eini­ge geschäfts­tüch­ti­ge Mit­bür­ger aus­län­di­scher Her­kunft, die Fri­seu­re, Beklei­dungs­ge­schäf­te, Restau­rants, Imbis­se und Lebens­mit­tel­lä­den betrei­ben. Ich betrach­te das zunächst ein­mal als eine Berei­che­rung. Ich esse sehr ger­ne chi­ne­sisch, viet­na­me­sisch und ita­lie­nisch und ich lie­be das Wie­ner Schnit­zel (auch ein Aus­län­der). Seit vie­len Jah­ren gehe ich zur glei­chen deut­schen Fri­seu­rin, die mei­ne Haa­re bes­ser kennt als ich selbst. Doch das ist jedem selbst über­las­sen. Wer ger­ne den neu­en ori­en­ta­li­schen Schnitt zu einem sehr güns­ti­gen Preis möch­te, geht zum ori­en­ta­li­schen Friseur. 

Mühl­hau­sen hat auch frei­zeit­mä­ßig sehr viel zu bie­ten. Wir haben ein sehr gutes Hal­len­bad und ein ganz neu­es Frei­bad am Schwa­nen­teich. Wir haben die Ska­ter­hal­le, wir haben ein Kino und wir haben sehr gute Gast­stät­ten und Restau­rants. Wir haben das Thea­ter 3K in einer Kir­che und wir haben eine sehr gute Stadt­bi­blio­thek eben­falls in einer Kir­che. Kir­chen haben wir jede Men­ge und wir haben eine toll erhal­te­ne Stadt­mau­er und wir haben ein sehr gutes Museum.

Und wir haben sehr vie­le Men­schen, die sich auch ehren­amt­lich enga­gie­ren und dafür sor­gen, dass Mühl­hau­sen lebens­wert bleibt und lebens­wer­ter wird.

Mühl­hau­sen lebt und ich bin stolz, ein Teil davon zu sein.

(Ich habe gera­de im „Stadt­ge­spräch“ einen Post gele­sen mit der Über­schrift „Mühl­hau­sen stirbt“. Das woll­te ich so nicht ste­hen lassen.)

Ein klei­ner Rück­blick auf das Jahr 2021

Vor eini­gen Jah­ren wur­de ich von einer Kol­le­gin gefragt, wen ich mir denn statt Mar­tin Schulz als Kanz­ler­kan­di­da­tin gewünscht hät­te, sag­te ich Olaf Scholz. Damals roll­te der Schulz-Zug noch und eini­ge Jusos pos­te­ten, dass Mar­tin Schulz über das Was­ser gehen kön­ne. Für mich war er ein sehr guter Mann in Euro­pa, aber man kann das eben nicht 1:1 auf Ber­lin übertragen.

Es kam, wie ich es erwar­tet hat­te, und der Schulz-Zug roll­te lei­der nicht in das Ziel. Dann wur­de Olaf Scholz bereits im Som­mer 2020 zum Kanz­ler­kan­di­da­ten durch die bei­den SPD-Vor­sit­zen­den nomi­niert, was mich hoff­nungs­voll stimmte. 

Wie wir alle wis­sen, gab es gleich drei Kanz­ler­kan­di­da­tin­nen und ‑kan­di­da­ten. Baer­bock für die Grü­nen, Laschet für die CDU und eben Scholz für die SPD. Als Anna­le­na Baer­bock nomi­niert wor­den war, über­schlu­gen sich die Medi­en für Sie und der inner­par­tei­li­che Kon­kur­rent schmoll­te sicht­bar. Armin Laschet hat­te von Anfang an mit dem Gegen­wind aus Bay­ern zu kämp­fen und natür­lich mit unkon­trol­lier­ten Lach­an­fäl­len in Kata­stro­phen­ge­bie­ten. Olaf Scholz hat­te die offen­sicht­lich die gan­ze Par­tei hin­ter sich ver­eint und stell­te sich als legi­ti­men Nach­fol­ger der Kanz­le­rin Mer­kel dar. Er mach­te alles rich­tig. Die SPD mach­te alles richtig.

Letz­ten Endes reich­te es tat­säch­lich für Olaf Scholz, der die meis­ten Stim­men für die Sozi­al­de­mo­kra­ten hol­te. Wil­ly Brandt und Hel­mut Schmidt hät­ten sich für das Ergeb­nis geschämt, aber heut­zu­ta­ge rei­chen eben 25,7% der Zweit­stim­men, um in Koali­ti­ons­ver­hand­lun­gen gehen zu können.

Die Ampel­par­tei­en, also SPD, FDP und Grü­ne, gin­gen in die Ver­hand­lun­gen und die­se ver­lie­fen erstaun­lich geräusch­los und effi­zi­ent. Olaf Scholz wird zum Kanz­ler gewählt und das Regie­rungs­pro­gramm steht unter dem Mot­to: „Mehr Fort­schritt wagen”. Als alter Fan von Wil­ly Brandt hat mich das ganz beson­ders gefreut, denn bei ihm hieß es mit „Mehr Demo­kra­tie wagen” ganz ähnlich.

Die SPD stellt wie­der den Bun­des­kanz­ler der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land. Das war der poli­ti­sche Höhe­punkt mei­nes Jah­res 2021, aber eigent­lich gab es viel frü­her eine Wahl, die für die gan­ze Welt viel ent­schei­den­der war.

In den USA wur­de bereits im Novem­ber 2020 der Prä­si­dent gewählt. Die Repu­bli­ka­ner schick­ten de damals amtie­ren­den Prä­si­den­ten Donald Trump in das Ren­nen und die Demo­kra­ten einen noch älte­ren Joe Biden. Donald Trump hat der gan­zen Welt auf­ge­zeigt, wel­che Macht der ame­ri­ka­ni­sche Prä­si­dent noch immer besitzt und wel­che kata­stro­pha­len Ent­schei­dun­gen er tref­fen kann. Trump hat das Land nach­hal­tig gespal­ten, er hat die Umwelt mas­siv belas­tet, er hat durch sei­ne Coro­na-Poli­tik vie­le Tau­sen­de Tote zu ver­ant­wor­ten und er hat dazu auf­ge­ru­fen, die bestehen­de demo­kra­ti­sche Ord­nung zu stürzen. 

Biden gewann die Wahl gar nicht so knapp mit 306 gegen 232 Wahl­leu­ten und er wur­de im Janu­ar 2021 zu Prä­si­den­ten ver­ei­digt. Damals ging ein vier Jah­re wäh­ren­der Alb­traum zu Ende und ich hof­fe, dass das Land nicht unwie­der­bring­li­chen Scha­den genom­men hat.

Aber nicht nur die gro­ßen Tie­re haben das Jahr bestimmt, son­dern auch klei­ne Struk­tu­ren, die zwar eige­ne Erb­an­la­gen haben, aber kei­ne Lebe­we­sen sind. Ich mei­ne selbst­re­dend die Corona-Viren. 

Das aller­ers­te Mal in der Geschich­te der Medi­zin, gelang es der Wis­sen­schaft, bereits wäh­rend einer Pan­de­mie Impf­stof­fe zur Ver­fü­gung zu stel­len. Der ers­te Impf­stoff kam aus Deutsch­land und funk­tio­niert nach einem genia­len Wirk­prin­zip. Man bekommt mRNA (Boten-RNA) gespritzt, die in den Zel­len außer­halb des Zell­kerns dafür sorgt, dass Struk­tu­ren gebaut wer­den, die wir auch in den Covid-19-Viren fin­den. Jetzt kann der Kör­per zur Immun­ant­wort schrei­ten, ins­be­son­de­re wenn nach einer bestimm­ten Zeit­span­ne die Imp­fung wie­der­holt wurde.

In den ers­ten Mona­ten der Impf­kam­pa­gne waren vie­le Wis­sen­schaft­ler davon aus­ge­gan­gen, dass man so etwas wie eine Immu­ni­tät errei­che kann. Das war ein Trug­schluss und im Moment läuft die Kam­pa­gne für die soge­nann­te Boos­ter­imp­fung. Das ist ins­be­son­de­re des­halb not­wen­dig, weil es ver­schie­de­ne Virus­va­ri­an­ten gibt und der Impf­stoff eben nur auf eine ziem­lich ursprüng­li­che Vari­an­te opti­miert wurde,

Lei­der gibt es vie­le soge­nann­te Impf­geg­ner. Das sind zum Teil Men­schen, die Imp­fun­gen aus Glau­bens- oder Ver­ständ­nis­grün­den ableh­nen und zum ande­ren Teil Men­schen, die die momen­ta­ne schwie­ri­ge Situa­ti­on aus­nüt­zen, um unse­re Demo­kra­tie ganz bewusst zu unter­mi­nie­ren. Nach einer Sta­tis­tik sind 50% der Wäh­ler der soge­nann­ten Alter­na­ti­ve für Deutsch­land Impfgegner.

Seit eini­gen Wochen gib t es wie­der ver­mehr die soge­nann­ten Hygie­ne­s­pa­zier­gän­ge. Auch in Mühl­hau­sen lau­fen etwa 300 Men­schen mit Ker­zen durch die Stadt. His­to­risch betrach­tet, ist das kein neu­es Phä­no­men. Bereits im Mit­tel­al­ter gab es Men­schen, die sich auf ähn­li­che Art und Wei­se gegen die wohl­be­grün­de­ten Maß­nah­men zur Ein­däm­mung der Pest auflehnten. 

Ich den­ke, dass hier das Phä­no­men der Halb­bil­dung eine ganz ent­schei­den­de Rol­le spielt. Noch nie­mals zuvor konn­ten wir Men­schen über eine Infor­ma­ti­ons­quel­le wie das Inter­net ver­fü­gen. Lei­der ent­spre­chen jedoch nicht alle Infor­ma­tio­nen der Wahr­heit. Jeder kann heu­te über Mes­sen­ger­diens­te, sozia­le Medi­en oder You­tube sei­ne Mei­nung kund­tun. Wenn man vor eini­gen Jah­ren eine medi­zi­ni­sche Aus­kunft woll­te, so ging man zu einem Arzt oder such­te sich ein medi­zi­ni­sches Lexi­kon. Heu­te fragt man Dr. Goog­le und greift sich die Ver­si­on der „Wahr­heit” her­aus, die einem passt. Bei Trump sprach man von alter­na­ti­ven Fakten.

Ich kann nur hof­fen, dass wir Covid-19 als Pan­de­mie bald hin­ter uns gelas­sen haben. Wir wer­den die Viren nicht aus­rot­ten, aber wie es im Moment aus­sieht, wer­den die Erkran­kun­gen harm­lo­ser. Die erfolg­reichs­ten Viren der Welt sind die Schnup­fen­vi­ren, sehr anste­ckend und nicht töd­lich, es sei denn, man stößt sich beim Nie­sen den Kopf.

Was jedoch brach­te das Jahr 2021 für mich per­sön­lich. Ich bin drei­mal geimpft und ich bin gesund. 

Im März habe ich als Kreis­vor­sit­zen­der der SPD mei­ne hoch­ge­schätz­te Vor­gän­ge­rin Clau­dia Zan­ker beerbt. In einer soge­nann­ten Hybrid­ver­an­stalung wur­de ich mit 94% der Stim­men gewählt. Mit 100% wur­de ich in mei­nem SPD-Orts­ver­ein Mühl­hau­sen als Vor­sit­zen­der bestätigt.

Alles in allem war 2021 ein erfolg­rei­ches Jahr für die Sozi­al­de­mo­kra­tie und auch für mich per­sön­lich, wenn­gleich es vie­le Pro­ble­me gibt, die gelöst wer­den müssen.

v.l.n.r.: Kay-Uwe Jage­mann, Simo­ne Frie­be (Diät­as­sis­ten­tin), Man­fred Eck, Tho­mas Meer­stei­ner (Küchen­chef), René Sey­fert und Oleg Shevchenko

Am 23.12.2021 haben wir vom Orts­ver­ein Mühl­hau­sen 200 Obst­scha­len für die Mit­ar­bei­ter gespen­det, die Hei­lig­abend Dienst hat­ten. Der Küchen­chef Tho­mas Meer­stei­ner und die Diät­as­sis­ten­tin Simo­ne Frie­be haben die Scha­len entgegengenommen. 

Ein zwei­fa­ches Hoch auf Mar­tin Hohlstein

Heu­te durf­te ich einem Genos­sen gleich zwei­mal gra­tu­lie­ren. Der in Mühl­hau­sen all­seits bekann­te und geschätz­te Schnei­der­meis­ter Mar­tin Hohl­stein fei­er­te sei­nen 82. Geburts­tag. Des Wei­te­ren durf­te ich ihm die Urkun­de zur 30-jäh­ri­gen Mit­glied­schaft in der Sozi­al­de­mo­kra­ti­schen Par­tei Deutsch­lands überreichen.

Mar­tin und ich unter­hiel­ten uns bei Kaf­fee und sehr lecke­rem Kuchen über die letz­ten Bun­des­tags­wah­len und wie es dazu gekom­men ist, dass die SPD mit Olaf Scholz an der Spit­ze die Wah­len gewin­nen konn­te. Für mich sind die Gesprä­che mit Mar­tin immer sehr inspi­rie­rend, sei es nun über Poli­tik oder Sport. Mar­tin ist nicht nur ein lei­den­schaft­li­cher Sozi­al­de­mo­krat, son­dern auch ein Fan des Box­sports und des Fußballs. 

Mein Alt­stadt­lauf 2021

Lei­der wur­de der 24. Mühl­häu­ser Alt­stadt­lauf pan­de­mie­be­dingt abge­sagt und ich habe wie im letz­ten Jahr bereits mei­nen eige­nen klei­nen Alt­stadt­lauf heu­te mor­gen durch­ge­zo­gen und bin drei­mal um die Stadt­mau­er gelau­fen womit ich dann schluss­end­lich die 10 km in einer guten Stun­de gelau­fen bin. Das ist bei­lei­be kei­ne gute Zeit, noch nicht ein­mal für mich aber es war mir wichtig.

Der geneig­te Läu­fer bzw. die geneig­te Läu­fe­rin wird fest­stel­len, dass der Lauf­kurs nicht völ­lig mit dem Alt­stadt­lauf iden­tisch ist. Ich habe mir den Lauf über den Stein­weg gesperrt und bin tat­säch­lich um die kom­plet­te Stadt­mau­er gelaufen.

Besuch bei Strick­wa­ren Peterseim

Ges­tern besuch­ten unse­re Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Eli­sa­beth Kai­ser und die Kan­di­da­tin für den Bun­des­tag Tina Rudolph den Unstrut-Hai­nich-Kreis. In Mühl­hau­sen haben wir sie ein­ge­la­den, die Tra­di­ti­ons­fir­ma Peter­seim Strick­wa­ren GmbH zu besu­chen. Emp­foh­len wur­de der Besuch durch unse­ren Ober­bür­ger­meis­ter Dr. Johan­nes Bruns, der die­ses hei­mi­sche Unter­neh­men natür­lich sehr gut kennt.

Zu erst ging es in den betriebs­ei­ge­nen Shop, in dem vie­le der wun­der­ba­ren Stü­cke zu fin­den sind. Für mich beson­ders beein­dru­cken war hier­bei, dass beson­ders hoch­wer­ti­ge Tei­le tat­säch­lich in Ein­zel­pro­duk­ti­on gefer­tigt wer­den kön­nen. Das ist aber natür­lich nur des­halb sinn­voll, wenn durch den Direkt­ver­trieb, sei es im Betriebs­shop oder online, die Zwi­schen­händ­ler umgan­gen wer­den können. 

Besit­ze­rin­nen und Besit­zer von Strick­wa­ren kön­nen ihre Lieb­lings­stü­cke übri­gens bei Peter­seim wie­der auf­bes­sern las­sen. Das nen­ne ich Nach­hal­tig­keit in der Mode in einer sehr schö­nen Form.

Der Weg durch die Fer­ti­gung war aber eben­so span­nend. Hier ste­hen u.a. hoch­mo­der­ne Strick- und Näh­ma­schi­nen. Anders als viel­leicht erwar­tet sit­zen hier jedoch nicht im Ban­gla­desh-Style vie­le Nähe­rin­nen und Nähen im Akkord, viel­mehr sieht man Fach­frau­en und Fach­män­ner, die mit viel Sorg­falt an Müt­zen, Pull­overn und Män­teln arbeiten. 

So wird zu Bei­spiel hoch­wer­ti­ge Klei­dung für die Fir­ma Nord­wol­le im Auf­trag gefer­tigt. Hier­bei wird nord­deut­sche Wol­le in Mühl­hau­sen ver­ar­bei­te­te und zwar in fan­tas­ti­scher und lang­le­bi­ger Qualität.

Der Rund­gang war sehr infor­ma­tiv und ich möch­te mich herz­lich bei den Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­tern der Fir­ma Peter­seim bedanken. 

Quel­le:

https://www.spdfraktion.de/abgeordnete/kaiser

https://www.facebook.com/tina.rudolph.spd/

https://www.peterseim-strickwaren.de

https://nordwolle.com

Mit dem Namen des Kaisers

Am 22. Juni 1941, also heu­te vor genau 80 Jah­ren, star­te­te das faschis­ti­sche deut­sche Regime den Angriff auf die Sowjet­uni­on. Der Angriff wur­de unter der Bezeich­nung „Bar­ba­ros­sa” geplant. Damit wur­de ein wei­te­res Kapi­tel des 2. Welt­kriegs geöff­net, das letzt­lich zur Nie­der­la­ge des NS-Regimes füh­ren sollte.

3 Mio. deut­sche Sol­da­ten kämpf­ten gegen die Sowjet­uni­on. Dabei wur­de von Anfang an kaum ein Unter­schied zwi­schen Zivi­lis­ten und Sol­da­ten gemacht. Hin­zu kamen die soge­nann­ten Ein­satz­grup­pen, die sys­te­ma­tisch nach Juden such­ten und die­se zumeist erschos­sen. Man kann kaum ermes­sen, wel­ches Elend von deut­scher Sei­te aus­ge­gan­gen ist. 

Lenin­grad wur­de 900 Tage lang bela­gert und wur­de den­noch nicht bezwun­gen. Mehr als 1 Mio. Ein­woh­ner ver­lo­ren dabei ihr Leben. Die­ses sys­te­ma­ti­sche Aus­hun­gern im wört­li­chen Sin­ne stellt ein ekla­tan­tes Kriegs­ver­bre­chen dar.

Der erwar­te­te deut­sche Blitz­krieg wur­de durch den rus­si­schen Win­ter gestoppt. Deut­sche Sol­da­ten fie­len öfter durch Erfrie­run­gen aus als durch Ver­let­zun­gen im Kampf. Als im Jahr 1942 Sta­lin­grad erobert wer­den soll­te, kam es zur ers­ten gro­ßen deut­schen Nie­der­la­ge. 250000 deut­sche Sol­da­ten wur­den eingekesselt. 

Göring ver­sprach, die Trup­pen aus der Luft zu ver­sor­gen, konn­te das Ver­spre­chen aber nicht ein­hal­ten. Pau­lus kapi­tu­lier­te am 31. Janu­ar 1943. 150000 deut­sche Sol­da­ten hat­ten ihr Leben ver­lo­ren, 90000 gin­gen in die sowje­ti­sche Kriegs­ge­fan­gen­schaft von denen gera­de ein­mal 6000 1956 nach Deutsch­land heim­keh­ren konn­ten. Unter den deut­schen Opfern war auch mein Großvater.

Auf der sowje­ti­schen Sei­te star­ben in Sta­lin­grad 400000! Bis zum Kriegs­en­de ver­lo­ren 25 Mio. ihr Leben. Das ent­spricht etwa 14% der Bevöl­ke­rung. In Polen waren es 17% und in Deutsch­land 9%. Ins­ge­samt star­ben mehr als 50 Mio. Menschen.

Die­ses Grau­en darf sich nicht wiederholen!

Quel­le:

https://www.dhm.de/lemo/kapitel/zweiter-weltkrieg/kriegsverlauf/sowjetunion/

Ein Abend mit Tho­mas Thieme

Ges­tern Abend hat­te der Freun­des­kreis Mühl­häu­ser Muse­en bei schöns­tem Wet­ter auf dem Kris­tan­platz zu einem Abend mit dem Schau­spie­ler Tho­mas Thie­me ein­ge­la­den. Wie gewohnt, war die Ver­an­stal­tung bes­tens orga­ni­siert. Für das leib­li­che Wohl sorg­te der Brau­haus-Chef Herr Fon­gern selbst.

Herr Dr. Scholl, der 1. Vor­sit­zen­de des Freun­des­krei­ses, führ­te durch den Abend, indem er mit Tho­mas Thie­me eine Art Inter­view auf freund­schaft­li­cher Ebe­ne führ­te. Die musi­ka­li­sche Ein­rah­mung über­nahm Arthur Thie­me, der Sohn des bekann­ten Schauspielers.

Der Abend war in vier the­ma­ti­sche Gesprächs­blö­cke unter­teilt, wobei man nach den ers­ten bei­den Blö­cken bei Herrn Fon­gern nach­fas­sen konn­te. Der ers­te Block war, wohl wegen der lau­fen­den Fuß­ball-Euro­pa­meis­ter­schaft, dem Ball­sport gewid­met. Schnell war man sich einig, das Deutsch­land ledig­lich wegen der akti­ven Unter­stüt­zung durch die Por­tu­gie­sen das Spiel am Nach­mit­tag für sich ent­schei­den konnte.

Thie­me begeg­ne­te offen­bar drei wich­ti­gen Fuß­bal­lern. Die Rede war von Jim­my Hart­wig, Gün­ther Net­zer und Uli Hoe­neß. Jim­my Hart­wig war mit Tho­mas Thie­me gemein­sam auf der Thea­ter­büh­ne. Gün­ter Net­zer ist ein Freund Thie­mes und hat wäh­rend sei­ner gran­dio­sen Zeit als Fuß­bal­ler das Spiel sozu­sa­gen gedacht und hat, wäh­rend Uli Hoe­neß schon im Gefäng­nis war, die­sen mit Tho­mas Thie­me zusam­men­ge­bracht. Thie­me woll­te Uli Hoe­neß tref­fen, weil er ihn in einem Film ver­kör­pern sollte.

Der Abend war gespickt mit Anek­do­ten und Lebens­weis­hei­ten. Die The­men waren so breit­ge­fä­chert wie das bis­he­ri­ge Lebens­werk des Künst­lers. Natür­lich kam auch zur Spra­che, war­um er die DDR ver­las­sen hatte. 

Es war ein wirk­lich gelun­ge­ner Abend.

Quel­len:

www.freundeskreis-muehlhaeuser-museen.de

Bat­man, Bie­ne Maja, Mil­ky Way und der Schwanenteich

Ver­gleicht man den Ster­nen­him­mel den man in der Stadt sieht mit dem Ster­nen­him­mel, den man in den Ber­gen vor sich hat, wird man einen rie­si­gen Unter­schied bemer­ken. Das liegt an dem Phä­no­men der Licht­ver­schmut­zung (Light Pol­lu­ti­on). Gemeint ist mit Licht­ver­schmut­zung die Ver­schmut­zung mit künst­li­chem Licht.

Das hat zum Teil ver­hee­ren­de Fol­gen, davon ein­mal abge­se­hen, dass man die Milch­stra­ße nicht oder nicht so deut­lich sieht, was mich als Astro­no­mie­leh­rer sehr stört. Aber ich bin auch Bio­lo­gie­leh­rer und als sol­cher bin ich gera­de­zu ent­setzt was wir den Tie­ren und Pflan­zen durch unser künst­li­ches Licht zumuten.

Vie­le Tie­re, auch der Homo sapi­ens, leben in einem cir­ca­dia­nen Rhyth­mus, also dem Wech­sel von Tag und Nacht. Die­ser Wech­sel von Tag auf Nacht wird gewöhn­lich vor­ge­ge­ben durch das weit­ge­hen­de Feh­len von Licht. Die­ser Rhyth­mus wird nach­hal­tig durch uns Men­schen gestört, zumal mehr als die Hälf­te der Tie­re nacht­ak­tiv sind.

Unter den nacht­ak­ti­ven Tie­ren fin­den wir vie­le Insek­ten, die die Pflan­zen bestäu­ben. Die Licht­ver­schmut­zung trägt zum Insek­ten­ster­ben bei, was wie­der­um zu Fol­ge hat, dass sich die Pflan­zen nicht ver­meh­ren kön­nen. Neben den Insek­ten sind auch vie­le Säu­ge­tie­re betrof­fen, wobei die bekann­tes­ten Bei­spie­le die Fle­der­maus­ar­ten sind.

Auf der Sei­te www.lichtverschmutzung.de wird eine Mus­ter­leit­li­nie für Kom­mu­nen vor­ge­stellt, deren all­ge­mei­nen Grund­sät­ze wie folgt lauten:

„Künst­li­ches Licht darf nur ein­ge­setzt wer­den, wenn es begrün­det not­wen­dig ist.
Es darf nur die min­des­tens not­wen­di­ge begrün­de­te Licht­men­ge ein­ge­setzt wer­den.
Künst­li­ches Licht darf nur dort­hin strah­len wo es unbe­dingt not­wen­dig ist und soll nicht über die Nutz­flä­che
hin­aus­strah­len.
Die Licht­punkt­hö­hen sind dem Bedarf ange­passt mög­lichst nied­rig zu hal­ten.
Künst­li­ches Licht darf nur dann ein­ge­schal­tet sein, wenn es benö­tigt wird, bezie­hungs­wei­se soll­te bedarfs­ori­en­tiert
redu­ziert wer­den bis hin zur Abschal­tung.
Künst­li­ches Licht darf nur gerin­ge Blau­an­tei­le ent­hal­ten, daher nur bern­stein­far­ben bis warm­weiß mit Farb­tem­pe­ra­tu­ren
von 1700 bis 2700 Kel­vin, max. 3000 Kel­vin (K).“

Die Mus­ter­leit­li­nie könn­te auch Vor­bild für Mühl­hau­sen sein und ich habe dazu auch schon posi­ti­ve Signa­le von Ober­bür­ger­meis­ter Dr. Johan­nes Bruns bekom­men. Das Schwa­nen­teich­ge­län­de soll umfas­send neu gestal­tet wer­den. Hier­zu kön­nen Bür­ge­rin­nen und Bür­ger ihre Vor­schlä­ge ein­brin­gen. Die­ses Recht habe ich wahr­ge­nom­men und den fol­gen­den Vor­schlag an das Rat­haus geschickt:


Verr­mei­dung von Lichts­mog am Schwa­nen­teich­ge­län­de zum Schutz der nacht­ak­ti­ven Tie­re:

Ein­satz von geeig­ne­ten LED-Lam­pen ohne IR- und UV-Anteil
Nach unten gerich­te­tes Licht ohne Streu­ver­lus­te (güns­ti­ger für Fle­der­mäu­se und Nacht­fal­ter)
Ein­satz von smar­ten Lam­pen, die sich bei Bedarf einschalten


Quel­len:
http://www.lichtverschmutzung.de

http://www.lichtverschmutzung.de/dokumente/Muster_kommunale_Lichtleitlinie_und_Beschlussvorlage.pdf

Der 17. Juni 1953

Heu­te ist der 17. Juni 2021. Vor nun­mehr 68 Jah­ren, am 17. Juni 1953 woll­ten sich vie­le Men­schen in der DDR die Erhö­hung von Arbeits­nor­men nicht mehr gefal­len las­sen und demons­trier­ten dage­gen auf der Stra­ße. Aus­ge­gan­gen waren die Unru­hen von den Bau­ar­bei­tern der Sta­lin­al­lee in Ber­lin, die vor­her Frank­fur­ter Allee hieß und spä­ter Karl-Marx-Allee.

Die Sta­lin­al­lee erhielt 1951 ihren Namen und es wur­de eine prot­zi­ge Sta­lin­sta­tue errich­tet. Am 5. März 1953 starb Sta­lin und in Ber­lin pil­ger­ten vie­le Men­schen, auch aus eige­nem Antrieb, zur Sta­tue von „Väter­li­chen Sta­lin“. Kur­ze Zeit spä­ter, am 16. und 17. Juni demons­trier­ten tau­sen­de Men­schen genau dort gegen die Erhö­hung der Norm. Von Ber­lin aus griff der Volks­auf­stand auf die gan­ze DDR über. Am Nach­mit­tag des 17. Juni wur­de der Auf­stand in Ber­lin durch sowje­ti­sche Pan­zer blu­tig nie­der­ge­schla­gen.

Auch in Mühl­hau­sen demons­trier­ten Men­schen. Hier waren es haupt­säch­lich Bau­ern, die gegen die Kol­lek­ti­vie­rung der Land­wirt­schaft waren und damit gegen den Ver­lust ihres Lan­des. Nach­dem die Kaser­nier­te Volks­po­li­zei der Lage aus ihrer Sicht nicht mehr Heer wur­de, been­de­te die sowje­ti­sche Besat­zungs­macht die Demons­tra­ti­on gewaltsam.

In Mühl­hau­sen erin­nern heu­te zwei Tafeln am Unter­markt 13 und am Unter­markt 17 an die sowje­ti­sche Militärherrschaft.

Gedenk­ta­fel an der ehe­ma­li­gen NKWD-Zen­tra­le am Unter­markt 13 in Mühlhausen.

Ledig­lich vier Jah­re nach der Grün­dung der DDR muss der Volks­auf­stand für die Genos­sen im Polit­bü­ro und in den SED-Kreis­lei­tun­gen eine Art Warn­schuss gewe­sen sein. Wir dür­fen nicht ver­ges­sen, dass Sta­lin zu dem Zeit­punkt bereits tot war und auch in der Sowjet­uni­on vie­le treu Sta­linan­hän­ger buch­stäb­lich um ihre Exis­tenz fürchteten.

Mei­ne Mut­ter hat mir erzählt, dass sie als 12jähriges Mäd­chen Rotz und Was­ser nach dem Tod Sta­lins geheult hat. Die Indok­tri­na­ti­on ging also tat­säch­lich auch damals schon bis zu den Kin­dern in der DDR. 

Niki­ta Chruscht­schow wur­de im Juni 1953 Ers­ter Sekre­tär der Kom­mu­nis­ti­schen Par­tei und damit Sta­lins Nach­fol­ger. Im Jahr 1956 lei­te­te er die Ent­sta­li­ni­sie­ren ein. Damals hielt er auf dem XX. Par­tei­tag der KPDSU eine Rede, mit der er mit den Ver­bre­chen in der Sta­lin­zeit ziem­lich rück­sichts­los auf­räum­te. Die Rede war offi­zi­ell nicht zur Ver­öf­fent­li­chung in der Pres­se gedacht, wur­de aber den­noch in der gan­zen Sowjet­uni­on verbreitet.

Im Okto­ber 1956 wur­de der Auf­stand in Buda­pest blu­tig niedergeschlagen.

Quel­len:

https://www.bundesregierung.de/breg-de/themen/deutsche-einheit/17-juni-1953-historischer-tag-fuer-deutschland-363572

http://www.17juni53.de/karte/erfurt.html

Übersterb­lich­keit

In den sozia­len Medi­en taucht immer wie­der die Fra­ge nach der Übersterb­lich­keit auf. Manch­mal wird ange­zwei­felt, dass durch Coro­na mehr Men­schen als in den letz­ten Jah­ren gestor­ben sind. Das sta­tis­ti­sche Bun­des­amt ver­öf­fent­licht die Zah­len zu den Ster­be­fall­zah­len, wobei die­se aber natur­ge­mäß nicht aktu­ell sind. Zu Covid-19 wur­de aller­dings hier­von abge­wi­chen und es wur­de ein Pod­cast die­sem The­ma gewidmet.

Hier­zu muss gesagt wer­den, dass die Ermitt­lung der Ster­be­ra­te für Covid-19 nicht so ein­fach ist, wie man es auf den ers­ten Blick mei­nen könn­te. So ist zu beach­ten, dass an ande­ren Krank­hei­ten wie der Grip­pe (Influ­en­za) durch die Coro­na­maß­nah­men, wie das Tra­gen einer Mas­ke, weni­ger Men­schen gestor­ben sind. Das Robert-Koch-Insti­tut hat in sei­nem Pod­cast die Ster­be­ra­te der star­ken Grip­pe­wel­le von 2017/2018 mit der Ster­be­ra­te durch Covid-19 ver­gli­chen. An der Grip­pe star­ben damals 25000 Men­schen in Deutsch­land. Laut RKI star­ben im Ver­gleichs­zeit­raum an Covid-19 etwa dop­pelt so vie­le Men­schen in Deutschland. 

Prof. Keku­le hat im MDR-Pod­cast vom 10. Juni eine inter­es­san­te Stu­die vor­ge­stellt. Dar­in wer­den die Ster­be­ra­ten in Coro­na­zei­ten ver­schie­de­ner Län­der ver­gli­chen. Ver­gli­chen wur­den die Übersterb­lich­kei­ten des Zeit­raums 2015 bis 2018 mit den Jah­ren 2020 und 2021. In Deutsch­land star­ben dem­nach 36000 Men­schen an Covid-19. Anders sah es z.B. in Peru aus, wo 180000 Men­schen an Covid-19 ster­ben. Aller­dings haben wir in eini­gen Län­dern nega­ti­ve Übersterb­lich­kei­ten. Hier zeig­ten die Coro­na­maß­nah­men ins­ge­samt eine posi­ti­ve Wir­kung auf die Gesund­heit der Menschen.

Quel­len:

https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bevoelkerung/Sterbefaelle-Lebenserwartung/Podcast/podcast-sterbefaelle-update-21–03.html

https://www.mdr.de/nachrichten/podcast/kekule-corona/kekule-corona-kompass-einhundertdreiundneunzig-100-downloadFile.pdf

https://www.medrxiv.org/content/10.1101/2021.01.27.21250604v3.full.pdf